Der Sonne entgegen - der Photovoltaik Mover

Wie Sie vielleicht gemerkt haben, zeige ich hier im Ökocenter Blog gerne Fotos von installierten Anlagen. Die meisten davon sind klassische Dachlösungen, die durchaus etablierteste Methode im Gebäudebereich.

Heute will ich jedoch eine andere Art von Photovoltaikanlage vorstellen, die wir als Sonnen-Kraftwerk mit Unterstützung der BEWAG installiert haben. Den sogenannten Photovoltaik Mover der Firma Solon. Der Clou daran: die Nachführung der Module, ermöglicht über den gesamten Tagesverlauf einen Einstrahlwinkel der Module zur Sonne von 90° bei einer maximalen Schrägstellung von 70° Neigung. Dabei sind die höchsten Erträge zu erzielen, nämlich zwischen 35 und 40 % mehr als bei herkömmlichen Anlagen.
Auch die Aufständerung ist ein Vorteil, da dadurch die Module gut hinterlüftet werden und kühler bleiben. Dies ist insofern wichtig, da Module, die zu warm werden, einen geringeren Stromertrag bringen.

Hier ein Bild unserer Anlage:

Solon Mover in Pinkafeld
Copyright: www.AirRealView.com

Die Daten der Anlage:
Bezeichnung: Solon Mover
Gesamtleistung: 9,3 kWpeak
Module: 12 Monokristaline Module Solon – M760/5/S
Leistung je Modul: 747 Wpeak
Wechselrichter: 3 x Solon –GTM 3x3,5 kW
Modulfläche: 52,7 m²
Modulwirkungsgrad: 16,9 %
Drehbereich: 250 °
Neigungswinkel: 20 ° nach hinten 61° nach vorne
Erwarteter Ertrag: 13.986 kWh pro Jahr
Standort: Pinkafeld E-Werkstrasse 96
Inbetriebnahme: Mai 2008
Lieferant: Siblik Wien

Diese Technologie ist für die Entwicklung Richtung Kraftwerk durchaus wegweisend. Die Solon AG hat beispielsweise auf Gut Erlasee bei Arnstein den größten Solarpark mit einer Leistung von 12MWp in Betrieb genommen. (das entspricht ca. 6 modernen Windrädern)

14 Kommentare

Schick!

von Oliver, 10.09.08 um 22:44 Uhr

Die Anlage sieht sehr gut aus und die Werte sind ja auch top! Zudem kann man die Anlage im Sommer auch sehr schön als Sonnenschutz mit Bierbankgarnitur darunter nutzen, kann ich mir vorstellen.

Sehr geehrter Oliver!

von Rudolf Titz, 11.09.08 um 14:02 Uhr

Es freut uns, dass Ihnen unsere Anlage gefällt. Leider muß ich Sie in Bezug auf Sonnenschutz und Bierbankgarnitur etwas enttäuschen. Aus Sicherheitsgründen (Absturzgefahr von spielenden Kindern) haben wir die Anlage mit einem Schutzzaun umgeben, wodurch der Schatten nur sehr eingeschränkt genutzt werden kann. Für Interessenten und Freunde unseres Movers bieten wir aber im Zuge einer Führung gerne eine kleine Erfrischung an einem schattigen Plätzchen an. Für die Führung ersuche ich um kurzfristige Terminvereinbarung (die Erfrischungsgetränke müssen natürlich besorgt und gekühlt werden ;-))).

Mover

von Ulli, 11.09.08 um 14:50 Uhr

Verstehe ich das richtig? Diese Kollektoren drehen sich nach der Sonne? Wird kann man sich das Vorstellen? Mit welchem Sensor(?) wird der Sonnenstand gemessen?

Sehr geehrte(r) Ulli!

von Rudolf Titz, 12.09.08 um 13:09 Uhr

Bei unserem Mover drehen sich nicht die einzelnen Kollektoren nach der Sonne sondern der gesamte Kollektorentisch (die Kollektoren sind auf einer Stahlkonstruktion montiert, wodurch sich eine ebene Fläche ergibt - siehe Bild). Dieser Tisch ist in der Neigung drehbar - also aus der Waagrechten bis zu einer Schräge von ca. 60 Grad. Derart aufgestellt kann er sich kreisförmig im Winkel von 250 Grad drehen und richtet sich so nach der Sonne von Ost nach West. Die Steuerung der Neigung und des Drehwinkels erfolgt durch ein komplexes EDV-Programm, welches aus den standortspezifischen Daten, dem Datum und der Uhrzeit nach einem astronomischen Algorithmus jeweils den optimalen Sonneneinstrahlwinkel und damit die optimale Ausrichtung des Movers ermittelt. Klingt alles etwas kompliziert - funktioniert aber wunderbar.

Kosten so einer Anlage

von karl Berger, 02.02.09 um 10:31 Uhr

Mich würden die Kosten für so eine Mover Anlage interessieren?
liebe Grüsse

AW: Kosten der Anlage

von Rudolf Titz, 03.02.09 um 19:38 Uhr

Hallo Herr Berger!
Unsere Anlage ist eine Prototypenanlage und wurde von uns mit viel Eigenleistungen errichtet. So konnte die Anlage zu Gesamtkosten von ca. € 70.000,-- (vor MWSt.) errichtet werden. Für Endverbraucher wird der Preis bei ca. 75.000,-- (vor MWSt.) liegen. Nicht zu unterschätzen sind die Transport- und Krankosten sowie die Aufwendungen für die Zuleitung und Sicherheitstechnik - besonders der Windmesseinrichtung.

von Anne vom Solar-Forum, 12.06.09 um 11:52 Uhr

Diese Anlagen haben zwar ihren Reiz aber ich denke das sie nicht unbedingt etwas für Privatleute sind. Die Anschaffungskosten sind ja doch ziemlich hoch. Außerdem haben sie den Nachteil, dass sie einiges an Platz benötigen und somit die Nutzung des Grundstücks beeinflussen. Häufig ließt man das die freistehenden Anlagen auch für Sturmschäden anfälliger sind. Was haben Sie da für Erfahrungen gemacht? Haben Sie für diese Anlage eine Baugenehmigung benötigt?

Antwort

von Rudolf Titz, 15.06.09 um 15:32 Uhr

Hallo Anne!
Sie haben vollkommen recht, eine derartige Anlage ist wenig bis gar nicht für Privatpersonen geeignet. Unsere Anlage entspricht am ehesten dem Bedarf und den Anforderungen von Klein- und Mittelbetrieben. Sehr wohl gibt es aber auch kleinere Anlagen mit Nachführung und diese können sich unter bestimmten Voraussetzungen auch für Privatpersonen rechnen. Immerhin kann der Mehrertrag um bis zu 30 Prozent höher sein, wodurch sich die höhere Investition durchaus rechnet. Bei diesen kleineren Anlagen besteht aber oftmals die von Ihnen angesprochene Gefahr der Beschädigung bei Sturm. Ich kann in diesem Zusammenhang nur die Einholung eines Statiker-Gutachtens für den jeweiligen Standort empfehlen und eine entsprechende Verankerung bzw. eine entsprechende mechanische Dimensionierung. Der von uns verwendete Mover ist mit einem eigenen Windsensor ausgerüstet. Ein eingebautes Überwachungsprogramm bringt den Generatortisch des Mover bei Überschreitung der eingestellten Windgeschwindigkeit in eine horizontale Lage. Dadurch sind Sturmschäden weitgehend ausgeschlossen. Diese doch sehr aufwendige Methode ist bei kleineren Movern oft gar nicht oder nur sehr einegschränkt vorhanden, wodurch Sturmschäden eher entstehen können.
Die Frage ob wir unseren Mover einer Baugenehmigung unterzogen haben kann ich mit JA beantworten.

Dach

von Marius, 24.08.09 um 16:13 Uhr

Wäe eine Umsetzung auf Ihrem Dach nciht möglich gewesen?

AW: Dach

von Rudolf Titz, 24.08.09 um 16:27 Uhr

Hallo Marius!
Natürlich wäre eine Umsetzung auf unserem Dach auch möglich gewesen. Da wir aber schon mehrere Anlagen auf unserem Dach zu Testzwecken installiert haben und Erfahrungen mit einem Mover sammeln wollten, haben wir uns für diese Lösung entschieden. Zusätzlich hat diese Lösung den Vorteil, dass wir auch die Ertragssteigerung bei Movern nachvollziehen können, ohne uns dem Vorwurf auszusetzen hier ohne Gegenkontrolle zu argumentieren. Es gibt ja Movererzeuger die Ertragssteigerungen von 40 Prozent angeben ohne den Beweis antreten zu können. Wir können ruhigen Gewissens behaupten, dass wir mit unserem Mover ca. 30 Prozent mehr Ertrag haben als mit einer vergleichbaren starr ausgerichteten Anlage. Da unser Mover so ziemlich das Optimum darstellt kann ich höhere Angaben in Bezug auf Ertragssteigerung nicht wirklich nachvollziehen.

Wirtschaftlichkeit

von Peter Wulff, 07.01.10 um 15:33 Uhr

Sehr geehrter Herr Titz,
ich frage mich, wie ein Mehrertrag von 30% eine Mehrinvestition von über 100% bezahlen soll? Und wenn es sich nicht für Privatleute rechnet, auf welche Weise soll es sich denn für andere rechnen? Meine Sie damit nur den Mengeneffekt im Einkauf bei Großanlagen?
Mit freundlichem Gruß,
Peter Wulff

AW: Wirtschaftlichkeit

von Rudolf Titz, 07.01.10 um 16:09 Uhr

Sehr geehrter Herr Wulff!
Leider kann ich Ihre prozentuellen Angaben der Mehrinvestition von über 100 Prozent nicht nachvollziehen. Ich möchte darauf hinweisen, dass ich den Marktpreis mit ca. € 75.000,-- bezifferte. Eine vergleichbare "fixe" 10 kWp Anlage kostete im Errichterjahr ca. € 50.000,--, womit sich ein Mehrpreis von ca. 50 Prozent ergab. In meinen bisherigen Ausführungen hab ich darauf hingewiesen, dass sich derartige Anlagen für Privatpersonen nicht rechnen. In bestimmten Fällen kann sich die Mehrinvestition aber durchaus rechnen - siehe dazu die großen Freiflächenanlagen in Deutschland. Natürlich müssen dazu aber sämtliche Rahmenbedingungen, wie z.B. Einspeisetarif, Standort, Anlagengröße etc. zusammen passen. Eine Einzellösung wie die bei uns verwendete kann schon alleine auf Grund der Errichtungs- und Transportkosten, der Kosten für die Windsensorik usw. nicht wirtschaftlich sein, da diese Kosten mit größerer Mover-Stückzahl am Standort einen wesentlich günstigeren Teilungsfaktor haben, wodurch die Mehrkosten gegenüber fixen Anlagen deutlich verringert werden. Ich möchte hier nochmals darauf hinweisen, dass wir die Anlage nicht aus wirtschaftlichen Überlegungen sondern um Vergleichswerte zu erhalten, errichtet haben. Ob jemand für bessere Technik und Mehrertrag auch Mehrinvestitionen in Kauf nimmt, dass möchte ich jedem Errichter selbst überlassen. Aus unseren Erfahrungen läßt sich ableiten: An der Umwelt interessierte nehmen für höhere Erträge auch gerne höhere Kosten in Kauf. Jene die wirtschaftliche Faktoren ins Treffen führen sind nicht an der Erzeugung von umweltfreundlicher Energie sondern an deren Verhinderung interessiert.

Wirtschaftlichkeit

von Peter Wulff, 10.01.10 um 23:58 Uhr

Sehr geehrter Herr Titz,
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort, zu der ich mich kurz äußern möchte, da Sie gerade am Schluss Ihrer Betrachtung wirtschaftliches Denken in diesem Zusammenhang sehr negativ sehen.
Erstens haben gerade die regenarativen Energien nur durch die staatliche Hilfe, die das wirtschaftliche Betreiben solcher Anlagen ermöglicht, überhaupt eine solche Akzeptanz gefunden und zweitens kann ein Mehrertrag mit hohem technischen Aufwand, egal zu welchen Kosten, ganz bestimmt nicht im Interesse der Gesellschaft und erst Recht nicht im Interesse unserer Umwelt liegen. Nur dass Sie mich nicht falsch verstehen, ich habe selber eine Dachanlage und bin großer Verfechter der Solartechnik, aber sie wird auch in Zukunft nur unter wirtschaftlichen Aspekten eine Chance haben.
Außerdem halte ich gerade die großen Freiflächenanlagen für sehr bedenklich, da sie massiv ins Landschaftsbild eingreifen und wie auch schon bei den Biogasanlagen geschehen, eher der Natur zu schaden beginnen. Wie überall ist das gesunde Augenmaß gefragt.
Mit freundlichem Gruß,
Peter Wulff

AW: Wirtschaftlichkeit

von Rudolf Titz, 12.01.10 um 19:17 Uhr

Sehr geehrter Herr Wulff!
Vorab möchte ich mich dazu bekennen, dass auch ich kein Freund von großen Freiflächenanlagen bin. Leider ist es aber eine Tatsache, dass Anlagen umso wirtschaftlicher werden, je größer sie sind. Da beißt sich also die Katze in den Schwanz. Wir müssen uns also entscheiden. Wollen wir wirtschaftliche Anlagen oder kleine Anlagen. Ich denke diese Entscheidung wird jeder für sich treffen dürfen.
Interessant finde ich Ihren Hinweis, ein grosser Verfechter der Solartechnik zu sein. Ich gehe davon aus, dass es sich dabei um eine Solarthermieanlage für die Warmwassererzeugung handelt. Gerade diese Anlagen beweisen, dass die wirtschaftliche Betrachtung nicht entscheidend für den Erfolg von alternativen Energieerzeugungsanlagen sein muß. Bei ehrlicher Betrachtungsweise ist eine Solarthermieanlage ebenso wirtschaftlich oder unwirtschaftlich wie eine Photovoltaikanlage. Vielmehr spielen hier Emotionen, Lobbyismus und das Konkurrenzdenken (was der Nachbar hat mache ich auch) eine entscheidende Rolle für die Betrachtungsweise und Anerkennung als wirtschaftlich sinnvoll. Ein kleines Rechenbeispiel gefällig: Gehen wir davon aus, dass eine Solarthermieanlage für den Warmwasserbedarf einer vierköpfigen Familie samt Pufferspeicher in der Anschaffung ca. € 6.000,-- kostet. Damit wird der tägliche Warmwasserbedarf von ca. 300 l abgedeckt. Die durchschnittliche Lebensdauer liegt bei ca. 25 Jahren. Um die gleiche Menge Wasser mit einer z.B. Warmwasserwärmepumpe zu erzeugen müssen Sie in die Wärmepumpe, inkl. Installation ca. € 3.000,-- investieren. Die jählichen Stromkosten werden sich auf ca. € 100,-- bis maximal € 130,-- belaufen und die Lebensdauer liegt ebenfalls bei ca. 25 Jahren. Alleine aus der Anschaffungsdifferenz könnten Sie ca. 25 bis 30 Jahre lang die Wärmepumpe betreiben. In dieser einfachen Betrachtungsweise sind keinerlei Betriebskosten bzw. Wartungs- und Instandhaltungskosten eingerechnet. Das Gesamtbild wird aber davon auch nicht besser. Für mich stellt sich also die Frage: Wo ist die Wirtschaftlichkeit der Solaranlage zu finden?
Wie dem auch sei, ich versichere Ihnen, dass ich kein Gegner der Solarthermie bin - ganz im Gegenteil. Ich habe nur insgesamt einen anderen Zugang zu alternativen Energiequelle bzw. Energieerzeugungsanlagen. Für mich steht "nicht ausschließlich" die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund, sonder das Einbeziehen "aller" technisch "sinnvollen" Möglichkeiten mit dem Zweck die Umwelt zu entlasten und die Energieversorgung langfristig zu sichern. Langfristig wird kein Weg daran vorbei führen, gleichgültig was es kostet. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann wir mit dem Umdenken beginnen (müssen!).
In diesem Sinne sende ich Ihnen sonnige Grüsse!
Rudolf Titz

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