Es geht um 100%!

Energieautarkie! Dieses Wort höre ich in letzter Zeit sehr oft. Das ist gut so. Es zeigt, dass die Gaskrise das Bewusstsein geschärft hat, und wir unsere Energieabhängigkeit und damit auch die Abhängigkeit von Importen fossiler Energie reduzieren müssen und wir dies auch wollen. Dass die Infrastruktur der Pipelines auch für politische Konflikte und Machtspiele ausgenutzt wird, haben wir ja zuletzt anhand des Streits zwischen Russland und der Ukraine gesehen.

Das burgenländische Ziel, bis 2013 eine 100% unabhängige, erneuerbare Stromversorgung zu erreichen, stellt als Gegenantwort eine umsetzbare Vision dar, die - wie schon öfter hier geschrieben – auch mit politischen Anstrengungen verknüpft sein muss. Ohne entsprechende Rahmenbedingungen wird die oft beschworene Energieautarkie schwer zu erreichen sein. Doch was heißt es, energieautark zu sein?
Werden wir im Jahr 2013 die Stromleitungen an den Grenzen kappen, weil wir ja ohnehin Hauhalte, Gewerbe und Industrie selbst versorgen?
Nein, und diesem Bild will ich mit dem heutigen Beitrag entgegenwirken. Denn gerade die Photvoltatik wird oft mit dem Wort „energieautark“ in Zusammehang gebracht – doch der Kontext ist sehr unterschiedlich.

Aus meiner Sicht heißt Unabhängigkeit, eine positive, erneuerbare Energiebilanz zu haben. Denn letztlich ist alles eine Frage der Bilanzierung. Das Burgenland soll mehr Strom aus eigenen, erneuerbaren Energiequellen produzieren als wir verbrauchen. Wir werden weiterhin Elektrizität am Markt zukaufen und verkaufen, aber wir wollen dafür sorgen, dass am Ende des Tages ersichtlich ist, dass wir unabhängig von den Importen die Stromnachfrage abdecken können.
In dem Sinne steht der Begriff Autarkie in der aktuellen Diskussion für ein Bild, nämlich die 100% Unabhängigkeit. Um Autarkie im technischen Sinne geht´s dabei gar nicht.

Auf der anderen Seite steht das Konzept der Energieautarkie, das auch netztechnisch die völlige Unabhängigkeit umfasst. Einzelne Gebäude, denken sie z.B. an Berghütten, manchmal auch Bauernhöfe an entlegenen Orten oder Schrebergärten brauchen eine autarke Versorgung. Sie brauchen bzw. haben kein Strom- und Gasnetz. Sie versorgen sich selbst mit Energie – z.B. mit Solarenergie, Kleinwindrädern oder kleinen Blockheizkraftwerken. Realistischerweise ist das aber nur in kleinem Maßstab umsetzbar und auch wirtschaftlich vertretbar.

In der Photovoltaik sind das sog. Inselanlagen. Jene sind aber eigentlich nur an Standorten ideal, die über kein öffentliches Stromnetz verfügen. Dann wird Photovoltaik nämlich dazu genutzt um eine möglichst autarke Stromversorgung zu gewährleisten. Anwendungsfälle gibt es bereits zur Genüge, denken Sie hier an Notrufsäulen, See- und Jagdhütten, ja sogar die Notversorgung in Seilbahngondeln.

Dennoch: die meisten Anlagen hängen sinnvollerweise am Stromnetz, speisen die erzeugte Elektrizität in dieses ein und es wird der Strombedarf auch daraus gedeckt, wenn wir Strom beziehen. Photovoltaikanlagen machen uns unabhängiger von fossiler, importierter Energie, indem sie unsere Strombilanz deutlich verbessern. Und wie gesagt, genau darum geht´s.

Übrigens, in Deutschland, dem weltweit größten Photovoltaikmarkt, trug laut Bundesverband Erneuerbarer Energie e.V. (BEE) die Photovoltaik 4,3 Milliarden Kilowattstunden zur deutschen Stromerzeugung im Jahr 2008 bei – 40 Prozent mehr als im Vorjahr. (Quelle Ökonews)

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